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Historie, Stadtteilgeschichte und 8 Bürgerhäuser

Bild: Haus im Oslebshauser Park
Im Oslebshauser Park
Bild Bahnhof von Oslebshausen
Bahnhof Oslebshausen
Bild von der Justizvollzugsanstalt
Justizvollzugsanstalt

Finkenauer Schule

Schule an der Finkenau
Schule an der Finkenau
Schule an der Finkenau
Schule an der Finkenau

Das Gut Finkenau wurde 1920 von der Gemeinde Oslebshausen für 200.000 M vom Kaufmann Carl Finke erworben und ging mit der Eingemeindung Oslebshausens in den Besitz Bremens über. Die alten Gebäude mussten renoviert werden und dienten danach als Schule. 1937/38 wurde die Schule völlig neu errichtet, wobei die alten Gebäude erhalten blieben.

Der Oberbaurat Kummer i.R. schrieb 1949: „Die erforderliche Schule ist 1937/38 auf dem alten Schulgrundstück am Nonnenberg anschließend an die alte Schule errichtet worden. Die neue zweigeschossige Schule mit einem einbündigen Klassenflügel am Nonnenberg und einem rechtwinklig anschließenden Turnhallen- und Aulaflügel war eine vorbildliche, von Hochbauamt liebevoll durchgearbeitete Anlage.“

Parallel zum Nonnenberg lag der zweigeschossige Flügel der neuen Schule, rechtwinklig dazu lag der eingeschossige Flügel, in dem eine Turnhalle untergebracht war. Im zweigeschossigen Flügel waren an der Stirnseite (gesehen vom Brundorfer Weg) unten das Direktorenzimmer und darüber das Lehrerzimmer untergebracht. Bald nach Kriegsbeginn (1940/41) wurde der Schulbetrieb eingestellt und auf die umliegenden Schulen verteilt, darunter auch in den Altbau des Gutes, weil die Gebäude vom Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD) beschlagnahmt wurden. Im eingeschossigen Gebäudetrakt war im Keller eine Krankenstation als Lazarett eingerichtet worden, das auch über einen Operationsraum verfügte. Im zweigeschossigen Teil war der Sicherheitshilfsdienst einquartiert, oben waren Aufenthaltsräume für Ausgebombte vorbereitet.

Am 29.07.1944 um 8.32 Uhr greift die 8. US- Luftflotte mit 444 Bombern den Bremer Westen an. Bei diesem 131. Luftangriff werden 151 Tote gezählt. In der Finkenauer Schule ist in dem äußeren Winkel zum einflügeligen Trakt eine Luftmine explodiert, zerstörte die Schulgebäude und das alte Gut völlig und tötete den Bauunternehmer Kück vom Alten Heerweg, den Krämer Sanders aus dem Auenweg und den Arbeiter August Harzmeier, die beim Sicherheitshilfsdienst ihren Dienst taten.

Heute steht auf diesem Gelände das Bürgerhaus Oslebshausen.

Nach umfangreichen Recherchen von Harry Winkel, Telefon: 0421/64 56 82

Carl Finke, das Gut Finkenau, die Schule und das Bürgerhaus

Sammlung über die Aktivitäten von Carl Finke in Oslebshausen, dem Werdegang des Guts Finkenau und angrenzenden Ereignisse.

Das betreffende Grundstück hat z. Z. die postalische Anschrift Bürgerhaus Oslebshausen, Am Nonnenberg 40, mit der Flurbezeichnung VR 111 Blatt 73, ist aber erst seit 1994 im Grundbuchamt geführt.

Die Geschichte:
1856 lässt H.C. Finke das Gut Finkenau errichten, das auf dem höchsten Punkt der Weserdüne in Oslebshausen gelegen ist und von Nebenarmen der Weser und Gehölzen umrahmt wird.

Heinrich Cornelius Finke (geb. 18.12.1809) war verheiratet mit Johanna Emilie Melchers (geb. 03.01.1818). Die Familie lebte in Bremen in der Georgstraße 45(heute Bürgermeister- Smidt-Straße). Laut Adressbuch war Herr Finke Makler und seine Sommerwohnung lag in Oslebshausen.

09.10.1846 Carl Finke wird als zweiter Sohn der Familie Finke geboren.

13.11.1877 heiraten Carl Finke und die um 1859 geborene Henriette Charlotte Minna Geyer, deren Ehe kinderlos bleibt.

05.10.1894 erwirbt Carl Finke das Grundstück Oslebshausen 37/38 von seinem älteren Bruder Dettmar Heinrich Finke.

1896 adoptiert das Ehepaar Finke in Baltimore zwei Mädchen, die sie Carla und Minna nennen, Carla wurde 1894 geboren und Minna 1896.

1898 wird Johannes Cordes als Hofmeier unter Carl Finkes Adresse Oslebshausen 37/38 geführt.

06.08.1902 wird die Firma H.C. Finke im Verein „Bremer Wein-und Spirituosenhändler“ gleichrangig mit Buxtorf, Eggers sowie Reidemeister und Ulrichs geführt.

1907 werden in Oslebshausen Straßennamen eingeführt.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Weingroßhändler war Carl Finke in Oslebshausen als Bauherr aktiv.

1904-1910 ließ er 43 Wohneinheiten in dem Bereich Auf der Wurth 9-15, Oslebshauser Landstraße, Heilshorner Straße, Finkenbergstraße und Am Fockenberg errichten.

Am 03.08.1915 wird auf dem Gut Finkenau eine prachtvolle Hochzeit gefeiert. Carla Finke wird von Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke zum Traualtar geleitet. Helmuth v. Mücke wurde zum international berühmten Offizier der kaiserlichen Marine, nachdem der Kreuzer „Emden“ zum erfolgreichsten Kaperfahrer des ersten Weltkrieges wurde. Seine eigentliche Berühmtheit erlangte er nach der Zerstörung der „Emden“ durch den australischen Panzerkreuzer HMAS „Sydney“, indem er „seine“ 50 Seeleuten auf abenteuerlichsten Wegen nach Hause führte.

30.01.1920 Start der Schule. Die 172. Versammlung des Gemeindeausschusses: Die Gemeinde habe bereits 72.000 M Schulden für die Schule zu tragen. Der Gemeindevorsteher hat erfahren das die Gemeindeschulen verstaatlicht werden sollen; wobei die Gemeinde nur gut bei fahren würde. In dem Gebäude des Finkeschen Gutes könnten 8 Klassen untergebracht werden.

18.02.1920 Die Gemeinde Oslebshausen erwirbt das Grundstück Am Nonnenberg 40 und 42 für 200.000 Mark von Carl Finke.

01.04.1921 Die Gemeinde Oslebshausen wird in die Stadt Bremen eingemeindet.

01.04.1921 geht das Grundstück am Nonnenberg 40 und 42 auf den bremischen Staat über.

1937/38 Bau der neuen Schule auf dem alten Schulgrundstück am Nonnenberg. Parallel zum Nonnenberg lag der zweigeschossige Flügel, rechtwinklig dazu war der eingeschossige Flügel, in dem eine Turnhalle untergebracht war. Im doppelstöckigen Flügel waren an der Stirnseite (gesehen vom Brundorfer Weg) unten das Direktorenzimmer und darüber das Lehrerzimmer untergebracht.

1940/41 Der Schulbetrieb wurde eingestellt und auf die umliegenden Schulen verteilt, darunter auch in den Altbau des Gutes, weil die Gebäude vom Sicherheits- und Hilfsdienst (SHD) beschlagnahmt wurden.
Im eingeschossigen Gebäudetrakt war im Keller eine Krankenstation als Lazarett eingerichtet worden, das auch über einen Operationssaal verfügte. Im zweigeschossigen Teil war der Sicherheitshilfsdienst einquartiert, oben waren Aufenthaltsräume für Ausgebombte vorbereitet.

31.10.1942 H.C. Finke wird nicht mehr unter den früher gleichrangigen Weingroßhändlern wie Buxtorf oder Eggers und Franke geführt; sie wird den Kommissionären zugeordnet unter H.C. Finke Altenwall 15.

29.07.1944 greift um 8.32 Uhr die 8. US-Luftflotte mit 444 Bombern den Bremer Westen an. Bei diesem 131. Luftangriff auf Bremen werden 151 Tote gezählt.
In der Finkenauer Schule explodiert eine Luftmine im äußeren Winkel der beiden Gebäudeflügel, zerstört die Schulgebäude und das alte Gut völlig und tötet den Bauunternehmer Kück vom Alten Heerweg, den Krämer Sanders aus dem Auenweg und den Arbeiter August Harzmeier, die beim Sicherheitshilfsdienst ihren Dienst verrichteten.

1945 Die baulichen Restbestände werden von vielen Oslebshauser geplündert, um die eigenen Behausungen notdürftig instand zu setzen.

26.11.1977 Das Bürgerhaus Oslebshausen wird auf dem Gelände des ehemaligen Gutes Finkenau eröffnet.

Nach umfangreichen Recherchen von Harry Winkel, Telefon: 0421/64 56 82

Geschichte von Oslebshausen

Der Ortsteil Oslebshausen gehört mit seinen Brüdern In den Wischen, Ohlenhof, Lindenhof und Alt-Gröpelingen zum Stadtteil Gröpelingen und somit zum Stadtbezirk Bremen-West. Wenn man von Vegesack kommend über die Burger Brücke Richtung Bremen fährt erscheint der Ortsteil Burg-Grambke, der noch zu Bremen-Nord zählt. Verläßt man Grambke geht nahtlos Oslebshausen über. Die neue gut sichtbare „Grenze“ ist wohl seit einigen Jahren die neue A281, die von der A27 zu den Stahlwerken Bremen führt. Soviel zur Orientierung.

Priester Willehad wurde Missionsbishof im Bereich der Unterweser und Ostfrieslands. Er starb am 08.11.789 in Blexen und soll in Bremen bestattet worden sein. Seine Gebeine wurden verehrt und sollen Wunder bewirkt haben. Um 860 registrierte Erzbischof Ansgar 34 solcher Wunder, von denen sich eines auf die blinde Magd Tida aus „Osleveshusen“ bezog, die ihre Sehkraft wiedererlangte.

In den 30er Jahren unseres Jahrhunderts schrieb der Historiker Alwin Lonke über dieses Gebiet und kam zu folgendem Ergebnis: Der damalige Name Osleveshusen läßt sich in drei Teile teilen. „Os“ ist die Abkürzung eines Eigennamens. Vielleicht hieß der erste Bauer Oskar oder Oswald. „Hus“ ist der alte Name für Haus. Unter dem Eindruck von Geborgenheit und Zuversicht ist dann „leves=liebes“ zwischen die beiden Silben gesetzt worden: „Os-leves-hus“ Als weitere Bauern hinzu kamen wurde dieser Name eines Hofes zum Dorfnamen und erweiterte sich zu Osleveshusen.

Das 19. und die ersten zwanzig Jahre des 20. Jahrhunderts waren für Oslebshausen von entscheidender Bedeutung. Der bremische Wirtschaftsraum hat in jenen Jahren das alte, stille Dorf gründlich geändert und zu einer Hafen- und Industrievorstadt gemacht. Dieser Prozeß der Umwandlung begann 1821 durch den Bau einer Chaussee Bremen-Oslebshausen-Burg, der jetzigen Heerstraße. Während dieser Zeit wirkte der Bremer Bürgermeister Nonnen, der sich ein hohes Ansehen erworben hatte, denn durch seine Initiative wurde u.a. 1825 die Sparkasse in Bremen gegründet. In Oslebshausen hatte er ein Grundstück erworben, auf dem eine Düne lag. Diesen Sandhügel schenkte der Bürgermeister der Stadt für den Bau einer breiten Allee, die damals noch den schönen französischen Namen Oslebshauser Chaussee trug. Die Straße „Am Nonnenberg“ sollte und ist eine Erinnerung an jene großzügige Geste dieses Bremer Bürgermeisters. Diese neue Chaussee wurde zu einer wundervollen Allee von Linden und Kastanien. Sie wurde von Pferdegespannen befahren und spielende Kinder auf der Straße wurden vom Peitschengeknalle des Kutschers vertrieben. Inzwischen sind die 175 Jahre alten Bäume bis auf einen kleinen Rest verschwunden.

Ein weiteres Beispiel für ein rasches Wachsen Oslebshausens ist am deutlichsten am Beispiel der Justiz-Vollzugs-Anstalt -früher Strafanstalt genannt- zu sehen. 1871/73, gerade als die Franzosen bei Sedan gegen die Deutschen verloren hatten, wurde die heutige JVA bezugsfertig. Der damalige Bremer Senat freute sich über die große Entfernung zwischen Bremen und der Anstalt. Eine enge Berührung der Anstalt mit den Wohngebieten wurde vermieden. Was keiner ahnen konnte war, dass die Oslebshauser Bevölkerung durch die Industrialisierung in wenigen Jahren stark anwuchs. Waren es 1862 nur 272 Einwohner so wurden daraus im Jahre 1921 ganze 2.812. Genau fünfzig Jahre nach der Grundsteinlegung wurde Oslebshausen am 19. März 1921 nach Bremen eingemeindet. Und somit befindet sich heute die JVA inmitten der Stadt Bremen zwischen der Bahnlinie Bremen-Vegesack und der Oslebshauser Heerstraße.

Der Oslebshauser Park mit den schönen, alten Bäumen verdankt seiner Entstehung einem Landgut. Cord Hinrich Haake (Mitbegründer der Brauerei Beck und Co.) erwarb ein Gehölz mit Teichen an der Chaussee erworben. Er ließ eine hübsche Villa bauen, die aber von der Familie nur unregelmäßig als Sommersitz bewohnt wurde. Nach zwei Jahrzehnten hat W. A. Korff den Landsitz gekauft und ließ die Villa abreißen, um ein neues Haus -wie wir es heute kennen- zu errichten. In der Inflationszeit kaufte die Stadt „Korffs Holz“. Heutzutage befindet sich darin die Ganztagsschule „Oberschule im Park“.
Die Lage am Nonnenberg im Schutze des Parks und Menkenkamps, geöffnet dem Licht entgegen zu Mattfelds Wiese, ist vorbildlich. In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg konnte Gartenbaudirektor Ahlers durch großartige Planung den Park und damit auch die Wasserflächen vergrößern. Auf Anregung des Bürgermeisters hat das Gartenbauamt für die Kinder ein Rodelberg aufgeschüttet, und Dank der ständigen sorgfältigen Pflege ist der Park zu allen Jahreszeiten eine Kostbarkeit dieses Ortsteils.

Etwa dort, wo sich heute der Togoplatz befindet, direkt neben dem DIAKO, stand um 1900 die große Ziegelei Harff. Durch die Hafenbahn, die an den Industiehäfen vorbeiführt, verlor der Besitzer große Teile seines Schürfgrundes. Durch den ersten Weltkrieg und die Inflation bedingt wurde der Betrieb stillgelegt und abgebrochen. Die zweite Ziegelei in dieser Feldmark verschwand als damals Klöckner (heute ArcelorMittal Bremen GmbH) mit dem Bau des Werkes begann.
[..]
von Armin Seedorf

Quelle: vegesack.de/bremen-nord/oslebshausen

 

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